Juni 2015

Liebe Leserinnen und Leser,

der Dichter und Philosoph Dante Alighieri (geboren im Mai oder Juni 1265 in Florenz, gestorben am 14. September 1321 in Ravenna) wird in diesem Jahr nicht nur in Italien wegen seines 750. Geburtstages gefeiert. Literatur- und kunstgeschichtlich ist Dante Alighieri einer der folgenreichsten Persönlichkeiten der abendländischen Geschichte. Wer jemals in Florenz war, der weiß, dass dort eine Vielzahl von Kirchen mit Motiven aus der Göttlichen Komödie ausgemalt sind – und nicht nur direkte Illustrationen, sondern auch Übertragungen auf die biblische Geschichte. Viele Darstellungen des Paradieses und der Hölle, der Seligen und der Verdammten im Angesicht des Jüngsten Gerichts orientieren sich an Dantes Beschreibungen in der Göttlichen Komödie. Allein also um zahlreiche Kunstwerke in Florenz verstehen zu können, ist die Lektüre des Werkes unverzichtbar.


Darüber hinaus enthält das Werk zahlreiche Momente, die es auch heute noch zu einer aufregenden und zum Teil sogar anstößigen und damit produktiven Lektüre machen. Die vielen Verweise auf die Zeitgeschichte von Italien und Florenz sind das eine, die erschreckenden Realisierungen der Hölle in der Geschichte der Menschen das andere.

„Durch mich geht man hinein zur Stadt der Trauer, Durch mich geht man hinein zum ewigen Schmerze, Durch mich geht man zu dem verlornen Volke. Gerechtigkeit trieb meinen hohen Schöpfer, Geschaffen haben mich die Allmacht Gottes, Die höchste Weisheit und die erste Liebe. Vor mir ist kein geschaffen Ding gewesen, Nur ewiges, und ich muss ewig dauern. Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!“

***

Nicht nur, weil sich der Geburtstag Dantes in diesem Monat zum 750 Mal jährt, sondern vor allem, weil er eine so wirkungsmächtige Persönlichkeit ist, beschäftigt sich das aktuelle Heft des Magazins für Kunst, Kultur, Theologie und Ästhetik mit seinem Werk. Anders als in Italien ist in Deutschland die Beschäftigung mit Dante keine verbindlicher Schulstoff. Anders als in Italien gibt es bei uns leider keine lebhaften Lesungen aus seinem Werk wie sie Roberto Benigni in Florenz vor Santa Croce vorgetragen hat. Aber immerhin gibt es seit einigen Jahren eine veritable Übertragung des Werkes ins Deutsche, so dass man sich, auch wenn man des Italienischen nicht mächtig ist, mit dem Werk auseinandersetzen kann. Und dazu möchten wir Sie gerne einladen.

Unter VIEW finden Sie zunächst den Hauptaufsatz von Wolfgang Vögele, der weit mehr bietet, als nur einige Bemerkungen über Dantes Commedia, Theologie und Kunst. Die drei Beiträge von Andreas Mertin verweisen auf verschiedene cineastische, virtuelle und Annäherungen an das Werk.

In der Rubrik RE-VIEW gibt es sechs Texte: Zum einen eine Beschäftigung mit der Tendenz zu Monumental-Büchern in der Kunst. Andreas Mertin fragt: Was bringen diese Bücher über die unmittelbare oder digitale Annäherung hinaus? Wolfgang Vögele setzt sich mit einem jüngst erschienen Buch aus dem Nachlass von Hans Blumenberg auseinander. Horst Schwebel bespricht einen „Glaubens-TÜV“. Vor 110 Jahren begann in Köln ein theologischer Streit um die Verbindlichkeit des Glaubensbekenntnisses – benannt nach seinem Hauptprotagonisten als Jatho-Streit. Von Carl Jatho publizieren wir eine Predigt, die sich mit der Bedeutung der Kunst in kulturprotestantischer Perspektive beschäftigt. Hans Jürgen Benedict wirft einen persönlichen Blick auf die Geschichte der politischen Predigt und fragt nach ihrer Aktualität. Und Ulfrid Kleinert beschäftigt sich mit Hans-Jürgen Benedicts Fazit als Hochschullehrer.

Unter POST finden Sie wie gewohnt die Notizen von Andreas Mertin zu Themen der letzten zwei Monate, einen Kommentar zu Madonnas letztem Videoclip und einen Hinweis auf einen aktuellen Kurzfilm zum Heftthema.


Einige Hinweise zu den kommenden Heften:

Heft 96 greift das Thema Architektur und säkulare Spiritualität auf. Heft 97 wird sich "Closer to van Eyck" mit der Kunst und der "Theologie" Jan van Eycks zuwenden. Heft 98 könnte dann ein CONTAINER sein. Leserinnen und Leser, die Beiträge zu einzelnen Heften einreichen wollen, werden gebeten, sich mit der Redaktion in Verbindung zu setzen.

Wir wünschen eine angenehme und erkenntnisreiche Lektüre!

Andreas Mertin, Jörg Herrmann und Horst Schwebel


Heft

Thema

Redaktion

Termin

2015

96

Architektur und säkulare Spiritualität

Mertin

01.08.2015

97

Closer to van Eyck

Mertin

01.10.2015

98

Container

Mertin

01.12.2015

Übersicht aller bisher erschienenen Texte

Datei-Download

Als Textdatei nach Heften geordnet

magazin.rtf

Als Textdatei nach Autoren geordnet

autoren.rtf

Als BibTex - Datei

theomag.bib

Auf Anfrage stellen wir Ihnen auch gerne eine Citavi 5 Datei mit der Übersicht aller bisher erschienenen Titel zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich einfach an die Redaktion.