Inszenierung und Vergegenwärtigung


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01. April 2019

Liebe Leserinnen und Leser,

ein anregendes Heft in der vorösterlichen Zeit legen wir Ihnen heute vor. Auch wenn im Augenblick alles irgendwie in der bangen Erwartung der unabsehbaren Folgen der neuen EU-Gesetzgebung zu Urheberrechtsfragen steht, die kaum eine glückliche Lösung für Urheber, allenfalls für Leistungsverwerter darstellt, so hoffen wir doch, dass die publizistische Arbeit dadurch nicht allzu sehr eingeschränkt wird. Aber schon jetzt beginnt die Schere im Kopf zu wirken: welches Video kann noch verlinkt werden, welches Bild, welches Zitat ist rechtlich abgesichert? Das kostet Kräfte, die eigentlich der kreativen Arbeit zufließen sollten. Es wird Zeit, dass wir uns in Europa Gedanken darüber machen, ob wir uns nicht mit dem amerikanischen Modell des "Fair Use" anfreunden sollten. Sascha Lobo hat im Spiegel darauf hingewiesen, dass sich bis "wenige Minuten vor der Abstimmung [...] weltweit anerkannte und meist unabhängige Wissenschaftler-Gruppen gegen diese Reform ausgesprochen [haben], von den Universitäten Cambridge und Oxford bis zum Max-Planck-Institut. ... Präfaktische Politik ist, solchen Stimmen kein Gewicht beizumessen."


In den letzten zwei Monaten sind zwei bedeutende Wegbereiter des Gesprächs von Kunst und Kirche nach dem Zweiten Weltkrieg gestorben.

Am 06. Februar 2019 verstarb im Alter von 91 Jahren der Praktische Theologe Hans Eckehard Bahr, der 1959 mit der Schrift "Poiesis. Theologische Untersuchung zur Kunst" promovierte. 1966-1967 war Bahr Leiter des Marburger Instiituts für Kirchenbau und kirchliche Kunst der Gegenwart und beschäftigte sich u.a. mit der Frage der Kirchen in nachsakraler Zeit.

Am 18. Februar 2019 verstarb im Alter von 97 Jahren der Kunst-Pfarrer Paul Gräb, der über 50 Jahre lang die Begegnung von Kunst und Kirche entscheidend vorangebracht hat. Ohne ihn wäre weder dieses Magazin, noch überhaupt eine der Zeit entsprechende Begegnung mit der Bildenden Kunst nach 1945 denkbar gewesen. Paul Gräb war zusammen mit seiner Frau Hanna die Verkörperung dessen, was der Literaturwissenschaftler George Steiner als cortesia in der Begegnung mit der Kultur der Gegenwart gefordert hatte. Seine unbändige Neugier gegenüber allem, was die Künstlerinnen und Künstler zu zeigen, zu sagen, zu erkunden hatten, wird uns immer in Erinnerung bleiben. Der Protestantismus hat im Verlauf der letzten 500 Jahre nur wenige Gestalten hervorgebracht, die so offen mit den Bildenden Künsten umgegangen sind und ein derart intensives Gespräch mit mehreren Generationen von Künstlerinnen und Künstlern geführt haben.


Und nun zur aktuellen Ausgabe. In diesem 118. Heft des Magazins beschäftigen wir uns in der Rubrik VIEW mit dem Thema INSZENIERUNG UND VERGEGENWÄRTIGUNG, ein schillerndes Thema, je nachdem, ob man es kunsthistorisch, zeitdiagnostisch oder theologisch betrachtet.

Andreas Mertin geht zunächst den einzelnen Worten und der Begriffskombination in der Geschichte nach und wirft einen Blick auf die kontroversen theologischen Ingebrauchnahmen von Vergegenwärtigung. Karin Wendt beschäftigt sich mit jener Künstlerin, die sich vielleicht in den letzten Jahrzehnten am intensivsten mit Archiven und Erinnerungen und Vergegenwärtigungen auseinandergesetzt hat: Sigrid Sigurdsson. Unter dem Titel "Un-Gezähmte Gegenwart" beschäftigt sich Karin Wendt darüber hinaus mit dem Verhältnis von Graffiti, Ästhetik und Terror. Ausführlich setzt sich Wolfgang Vögele mit Edoardo Albinatis Roman "Die katholische Schule" auseinander. Und schließlich setzt sich Andreas Mertin damit auseinander, wie kirchliche Webseiten heute mit willkürlich herausgegriffenen Bildern Theologiegeschichte vergegenwärtigen.

In der neuen Rubrik IMPULS setzt sich Eva Reiß mit der Emmausgeschichte als österlicher Mahlgeschichte auseinander. Die Redaktion hat ihren Beitrag mit Emmausbildern der Kunstgeschichte ergänzt.

Unter FEED-BACK antwortet Andreas Mertin auf verschiedene Beiträge, die in den letzten zwei Monaten im Internet zu seiner Kritik an der Digitalisierung der Kirche und seiner Kritik an den Twitterkritiken gegenüber Wolfgang Huber erschienen sind.

Unter RE-VIEW stellt unsere Mitarbeiterin Barbara Wucherer-Staar eine Ausstellung von Martin Disler vor. Karin Wendt verweist auf eine Ausstellung anonymer Zeichner im Kunsthaus Kannen.

Unter POST findet sich die religionspolitische Kolumne „Die schwarzen Kanäle“ von Andreas Mertin.

Das nächste Heft 119 des Magazins für Theologie und Ästhetik beschäftigt sich mit dem Thema "Lesen" in seiner ganzen Breite. Wir lesen nicht nur Bücher und Texte, sondern sprechen auch vom Lesen von Bildern oder auch von Biographien (Lesen im Buch des Lebens). Um all das soll es gehen. Wem dazu etwas einfällt, den laden wir zur Mitarbeit ein.

Für dieses Heft wünschen wir eine erkenntnisreiche Lektüre!

Andreas Mertin, Jörg Herrmann, Horst Schwebel und Wolfgang Vögele


Für die nächste Zeit sind folgende Themenausgaben geplant:

Heft 120 (August) hat das Thema "PARIS".
Heft 121 (Oktober) trägt den Titel "Antiquariat"

Leserinnen und Leser, die Beiträge zu einzelnen Heften einreichen wollen, werden gebeten, sich mit der Redaktion in Verbindung zu setzen.

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