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Magazin für Theologie und Ästhetik


Im Auftrag des Teufels

Das Böse - filmisch betrachtet

von Andreas Mertin

Der Kinofilm "Im Auftrag des Teufels" im Januar 1998 in Deutschland nicht ohne ironischen Hintersinn in einer Hamburger Kirche angelaufen, bearbeitet ein beliebtes Motiv des amerikanischen Kinos: die Auseinandersetzung mit dem Bösen in seiner doppelten Form - als das Böse und vor allem natürlich als der Böse.

Der Film ist kein Meisterwerk, zu kalt, zu routiniert, zu mechanistisch, zu phantasielos werden die in der Geschichte des amerikanischen Kinofilms bereits ausgearbeiteten Pfade durchschritten. Die Verbindung von Eitelkeit und Teufel, von Sexualität und Sünde, bestimmter sexueller Praktiken mit dem Bösen sind nur zu klischeehaft. Wenn dieser Film, wie geschrieben wurde, eine Schwarze Messe sein soll, dann ist der Teufel eine lächerliche, weil in seiner klaren Differenz zum Guten präzis und nur noch ironisch zu zeichnende Figur.

Trotz oder gerade wegen seiner Ansammlung von Klischees ist der Film aber dennoch interessant, denn die Themen, die er anspricht, sind nicht nur solche der Religions- und Philosophiegeschichte (das Böse und seine Ursachen, die menschliche Unterscheidungsfähigkeit zwischen Gut und Böse, der freie bzw. unfreie Wille des Menschen), sondern spiegeln und gestalten zugleich die Vorstellungen vieler Menschen von Macht und Einfluß, Gut und Böse, Grenzüberschreitungen und Grenzerfahrungen, Selbst- und Fremdbestimmung.

"Im Auftrag des Teufels" (The Devil's Advocate, USA 1997, 144 min.) wurde am 17. Oktober 1997 in den USA und am 22. Januar 1998 in Deutschland erstaufgeführt. Die zentralen Charaktere des Films sind der Anwalt Kevin Lomax (gespielt von Keanu Reeves), sein Chef John Milton (Al Pacino), seine Frau Mary Ann Lomax (Charlize Theron), seine Mutter Mrs. Lomax (Judith Ivey), seine "Schwester" Christabella (Connie Nielsen). Filmgeschichtlich nimmt "Im Auftrag des Teufels" unmittelbaren Bezug auf Roman Polanskis Klassiker "Rosemary's Baby" (USA 1968).

Kurzbeschreibung des Films

Der junge Kevin Lomax ist als Anwalt ein Gewinnertyp, er bringt jedem Mandanten den Freispruch. Und das unabhängig davon, ob er von dessen Unschuld überzeugt ist. Sein aktueller Fall ist der des Lehrers Gettys, der der sexuellen Belästigung einer Schülerin bezichtigt wird.

In der Verhandlung erkennt Lomax, dass der Angeklagte das ihm zur Last gelegte Verbrechen tatsächlich begangen hat. Er unterbricht zunächst die Verhandlung, entscheidet sich dann aber für die Fortführung des Verfahrens und erreicht einen Freispruch, obwohl er dafür dem Mädchen noch einmal verbal Gewalt antun muß.

Daraufhin wird er von dem Vertreter einer mächtigen New Yorker Anwaltskanzlei angesprochen, welche ihn gerne verpflichten möchte. Lomax nimmt das Angebot an. Die erste Probe besteht er mit Bravour.

Auf dem Dach eines Wolkenkratzers bietet ihm John Milton, der Chef der Kanzlei, die Mitarbeit an. Lomax' erster Fall ist eine Festnahme wegen einer rituellen Schlachtung einer Ziege, ein Prozeß, den er spielend mit Berufung auf die Religionsgesetze gewinnt.

Aufgrund der Arbeit vernachlässigt er seine Frau Mary, während er gleichzeitig von seiner jungen Kollegin Christabella fasziniert ist. Lomax bekommt den Auftrag, den Bauunternehmer Cullen gegen eine Anklage wegen dreifachen Mordes zu verteidigen. Während Mary immer mehr durchdreht, entscheidet sich Kevin gegen Mary und für den Job.

In einem längeren Monolog äußert sich Milton über das tödliche Streben der Geschöpfe Gottes an der Schwelle zum nächsten Jahrtausend. Das Schicksal der Menschen erscheint als ein impliziter Tun-Ergehens-Zusammenhang, bei dem Gott tatenlos zusieht.

Bei der Befragung der Alibizeugin des Bauunternehmers wird deutlich, dass auch dieser schuldig ist. Aber Lomax kann sich nicht entscheiden, nicht zu gewinnen und so wird der Angeklagte freigesprochen.

Dann spitzt sich die Situation zu: Lomax erkennt, dass er für das Böse arbeitet, seine Mutter bekennt, dass er der Sohn Miltons ist und Mary, die zwischenzeitlich in der Psychiatrie gelandet ist, bringt sich um.

In Miltons Wohnung kommt es nun vor einem riesigen Kunstwerk zum Showdown. Milton erweist sich als der Satan, Christabella als Kevins Halbschwester, mit der er auf der Basis des freien Willens den Antichristen zeugen soll. In einem letzten Widerstandsakt erschießt sich Kevin und vernichtet so die Hoffnungen des Teufels.

Urplötzlich befindet sich Lomax wieder in der vierten Filmminute. Diesmal entscheidet er sich für die Aufgabe des Prozesses. Dadurch droht ihm jedoch der Verlust der Anwaltslizenz, dem er nur entgehen kann, wenn ihn ein Reporter als Star groß herausbringt. Dieser Reporter trägt in der Schlußszene die Züge des Teufels John Milton.


© Andreas Mertin 2000
Magazin für Theologie und Ästhetik 5/2000
https://www.theomag.de/05/teufel2.htm