Oktober 2008

Liebe Leserinnen und Leser,

das 55. Heft des Magazins für Kunst, Kultur, Theologie und Ästhetik – tà katoptrizómena – ist ein CONTAINER mit verschiedenen Themenstellungen. Nähreres dazu weiter unten.

Selten gab es aufregendere Zeiten für das Magazin wie gerade im Moment. Einerseits können wir eine zunehmende Rezeption der im Magazin erschienenen Aufsätze in der Öffentlichkeit feststellen (von dem in diesem Heft besprochenen Buch zum Sakralbau bis hin zur jüngst erschienenen Stellungnahme des Theologischen Beirats der Nordelbischen Kirche "Zur theologischen Bedeutung des Kirchenraums"), andererseits ist das Magazin für manche so attraktiv, dass sie gleich mehrere Aufsätze auf ihre Seiten raubkopieren und so dem Magazin den zum Überleben notwendigen Traffic entziehen. Das führte schließlich zu unerfreulichen juristischen Auseinandersetzungen. Trotzdem werden wir auch in Zukunft versuchen, ein attraktives Programm für die Leserinnen und Leser bereitzustellen.

Unter VIEW finden Sie eine Auseinandersetzung von Jürgen Förster mit dern negativen Ästhetik von Theodor W. Adorno. Aus aktuellem Anlass glossiert Andreas Mertin die Rückkehr des Funktionalismus in die institutionalisierte Kirche und setzt sich mit einen Positionspapier der Nordelbischen Kirche zum Kirchenraum auseinander.

Unter RE-VIEW gibt es je drei Rezensionen von Christoph Fleischer und Andreas Mertin zu jüngeren und älteren Büchern.

Unter POST setzt sich Andreas Mertin mit den jüngsten Bilderstreitigkeiten im Kontext der Arbeiten Martin Kippenbergers auseinander.

In der BLACKBOX finden Sie in der Zeit vom 1.10.-30.22.2008 einen Blick in die Igreja do Convento de Sao Domingos in Lissabon. Diese Kirche soll einmal zu den prächtigsten Gotteshäusern der Stadt gehört haben. Das berühmte Erdbeben von 1755, das die gesamte europäische Philosophie und Theologie erschütterte, zerstörte auch dieses Haus. Nach dem Wiederaufbau wurde es 1959 noch einmal durch einen Brand zerstört. Nun wird es seitdem kunstvoll in seinem ruinösen Charakter erhalten. Das Ergebnis ist eine der beeindruckendsten Kirchen der Gegenwart, voll individueller Frömmigkeit im Kontrast zur äußeren Vergänglichkeit. Ezelino von Wedel schreibt in einem Blog Anfang Mai 2008 über die Erfahrung dieser Kirche: "Ich öffne die quietschende Tür und trete ein. Und endlich habe ich ihn gefunden, den einen Ort, den ich seit einem halben Tag suche. Die Dominikanerkirche am Largo de Sao Domingo. Ein großer Raum ohne Seitenschiffe, eine Saalkirche. Die Doppelsäulen der Seitenwände in gefährlich verwittertem Zustand, kurz vor dem Verfall, das Tonnengewölbe dunkelorange bemalt. Keine Bilder, aber auf den schmalen Seitenaltären Heiligenstatuen und reiche Blumensträusse. Aus unsichtbaren Lautsprechern fließen leise gregorianische Gesänge. Schwer zu sagen, was an diesem Raum fasziniert." Tatsächlich ist es die intensive Frömmigkeit, die nur scheinbar im Kontrast zur Fragmentarität des Raumes steht, die uns zeigt, dass der Glaube seine eigenen Räume sucht. Ästhetisch erinnert das Ganze an Olaf Metzels Kunstwerk in der Taufkapelle der St. Erpho-Kirche in Münster im Rahmen des Skulptur. Projekte 1987: "Er bearbeitete die Wände der Kapelle mit Werkzeugen auf eine Weise, dass das rote Ziegelmauerwerk freigelegt wurde. Die als Wunden in der Wand erscheinenden Zeichen kontrastierten in ihrer Kargheit wohltuend mit dem Mobiliar der Kirche."

Igreja do Convento de Sao Domingos; Foto: A. Mertin


Mit herzlichen Grüßen

Andreas Mertin, Horst Schwebel und Karin Wendt