Februar 2008

Liebe Leserinnen und Leser,

das 51. Heft des Magazins für Kunst, Kultur, Theologie und Ästhetik - tà katoptrizómena - sollte sich mit mit einem kontroversen Thema beschäftigen: Der Bibel in gerechter Sprache. Bereits früher sind im Magazin Beiträge zu diesem Thema erschienen, die seinerzeit auf große Resonanz stießen. Inzwischen ist der Medienhype und die große Kontroverse abgeklungen, es ist Normalität eingekehrt und das Thema ist offensichtlich abgehakt. Zwar taucht ab und an noch eine Meldung auf, der eine oder andere Alt-Bischof habe sich pflichtgemäß von der Bibel in gerechter Sprache distanziert, aber das interessiert allenfalls noch die Nachrichtenagentur idea. Erstmalig ist zu einem Heftthema kein Beitrag in der Redaktion eingetroffen. Das Verhältnis von Ästhetik und Bibel, seit Jahrhunderten in der deutschen Kultur immer wieder diskutiert ("Vom Geist der Ebraeischen Poesie"), war offensichtlich nicht von großem Interesse. Vielleicht ging es wirklich nur um ideologische Grabenkämpfe. Ohne die ergänzenden Beiträge der Leserinnen und Leser wäre das Magazin aber nur eine Stellungnahme der Redaktion. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, dieses Heft allgemeiner in "Lektüren" umzubenennen. Zwar bleibt ein Schwerpunkt bei den Auseinandersetzungen um die Bibel in gerechter Sprache, aber der Fokus wird auf andere Lektüren erweitert, denn wir haben natürlich Beiträge bekommen: von bewährten und von neuen Autoren des Magazins.

Im aktuellen Heft finden Sie unter VIEW einige private Notizen zur Bibellektüre, eine Darstellung des Editwars rund um die Bibel in gerechter Sprache von Andreas Mertin, eine Auseinandersetzung mit dem Film "A good year" von Hans J. Wulff und Ina Wulff, sowie eine kritische Lektüre von Sloterdijks "Gotteseifer" von Markus Mürle.

Unter RE-VIEW steht eine Vorstellung des Religionsmonitors durch Christoph Fleischer sowie drei Rezensionen von Andreas Mertin.

Unter POST gibt es eine Intervetion zum alltäglichen Ikonoklasmus der Evangelischen Kirche und vergleichende Lektüreerfahrungen zweier Jugendbibelprojekte.

Die BLACKBOX zeigt vom 01.02.2008 bis zum 31.03.2008 ein Bild von Vincent van Gogh: Stilleben mit Bibel vom April 1885. Das Bild hängt heute im Rijksmuseum in Amsterdam und vermittelt einen guten Einblick in Bibellektüren des 19. Jahrhunderts. Für van Gogh bildet Stilleben mit Bibel den Übergang zum Impressionismus und der sogenannten Pariser Periode. Inhaltlich interessant ist der Text rechts von der Bibel: Emile Zolas Die Freude am Leben („La Joie de vivre")!

Mit herzlichen Grüßen

Andreas Mertin, Horst Schwebel und Karin Wendt