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Oktober 2006
Liebe Leserinnen und Leser, |
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dass die Welt ein Theater und das Leben nur ein Schauspiel ist, war nicht erst den Kirchenvätern klar. Die heutige Mediengesellschaft fördert aber eine Theatralisierung des Lebens, die nur schwer erträglich ist. Keine Leichtigkeit des Seins, sondern ostentativ vorgetragene verletzte Gefühle, das große Pathos der Betroffenheit und die öffentliche Inszenierung des Aufschreis der Massen beherrschen die Bühne des Lebens. Für Zwischentöne, für Differenzierungen und Nachdenklichkeiten bleibt da wenig Raum. Die Metapher des Theaters ist vielleicht eine der aktuellsten überhaupt, bei gleichzeitig nachlassender Bedeutung der Institution des Theaters für den öffentlichen Diskurs.
Um so wichtiger ist es, sich mit der Beziehung von Theater und Religion künftig verstärkt auseinander zu setzen. Andreas Mertin zeichnet eine Geschichte der wechselhaften Beziehung von Religion und Theater seit den frühen Anfängen nach. Das zweite Thema dieser Ausgabe des Magazins für Theologie und Ästhetik ist eine philosophische Auseinandersetzung von Frauke Annegret Kurbacher mit dem Phänomen der Haltung. Es geht dabei "nicht um die Bestimmung einzelner Gefühle, auch nicht um verschiedene Haltungen oder unterschiedliche geistige Einstellungen im Besonderen, sondern darum, Gefühle als integrative Bestandteile - zusammen mit geistigen, willentlichen und sensitiven - von Haltungen zu verdeutlichen, die selbst wiederum wechselwirkend als Leistung, Vollzug wie Ergebnis und Ausdruck solch einer Vermittlung zu begreifen sind." Unter den REVIEWS finden Sie eine Untersuchung zum Ort praktischer Urteilssuche am Beispiel von Hal Hartleys Book Of Life durch Dominik Bertrand-Pfaff In den MARGINALIEN ein Kommentar von Andreas Mertin. In der Rubrik SPOTLIGHT finden Sie das WEBLOG, die vertrauten Kolumnen zu interessanten Internetadressen und Lektüren von Andreas Mertin und Ausstellungen von Karin Wendt. Die Blackbox enthält vom 01.10.2006 bis zum 30.11.2006 eine Theaterskizze von Johann Heinrich Füssli. Wie die wikipedia schreibt war Füssli "ein Sohn des Malers und Schriftstellers Johann Caspar Füssli, dessen Liebe für Kunst und Literatur sich auf den Sohn übertrug. Füssli studierte zunächst Theologie und erlangte gute Kenntnisse der alten und neuen Sprachen, widmete sich aber zugleich auch der Malerei. Im Alter von 20 Jahren wurde er in Zürich Pfarrer, aber eine Unstimmigkeit mit seinem Vater trieb ihn 1763 dazu, die Schweiz und die Kirche zu verlassen. Durch die Übersetzung einiger Dramen Shakespeares mit dem englischen Gesandten in Berlin bekannt geworden, ging er auf dessen Veranlassung 1765 nach London. Dort lernte er 1767 Sir Joshua Reynolds kennen, der ihm riet, die Feder mit dem Pinsel zu vertauschen. 1770 ging Füssli nach Rom, wo er, mit Winckelmann und Mengs verkehrte. Dort studierte er neben den Antiken vornehmlich die Werke Michelangelos. Als er 1779 nach London zurückkehrte, war er dort bereits neben Reynolds und West ein gefeierter Künstler. 1788 wurde er in die Royal Academy aufgenommen. 1799 zum Professor und 1804 zum Direktor der Academy ernannt, widmete er sich der Ausarbeitung verschiedener Schriften zur Malerei. Füssli schuf neun Gemälde zur Boydellschen Shakespeare-Galerie und einen Zyklus von 47 Bildern zu Miltons "Das verlorene Paradies". Weitere Werke sind: Der Bund der Stifter der schweizerischen Freiheit (auf dem Zürcher Rathaus), Theseus, am Eingang des Labyrinths von Ariadne Abschied nehmend; Zug der Schatten im Elysium, nach Lukians Beschreibung und Ugolino im Hungerturm." Mit herzlichen Grüßen Andreas Mertin und Karin Wendt |